Die Gratis-Tools auf floretia.ch setzen ganz am Anfang der Planung an. Sie möchten ein Beet bepflanzen, eine Blumenwiese oder eine Dachbegrünung ökologisch wertvoll anlegen – wir sagen Ihnen, welche Pflanzen und Strukturen sich dafür besonders eignen und wo Sie sie kaufen können.

Floretia plus ist für Sie da, wenn Sie schon einen Schritt weiter sind und die Bepflanzung bereits geplant ist. Das Instrument geht Ihre Pflanzenliste durch und prüft verschiedene ökologische Aspekte: Sind einzelne Pflanzenarten invasiv oder anderweitig problematisch? Welchen Wert hat die Bepflanzung für die Fauna? Und falls die Standortbedingungen auch mit eingegeben wurden: Ist die Bepflanzung standortgerecht? Floretia plus schlägt für alle Arten, die problematisch oder nicht standortgerecht sind, passgenaue, ökologisch wertvolle Ersatzarten vor. Und wenn die Bepflanzung für eine Tiergruppe wie Wildbienen, Schmetterlinge oder Vögel schlecht abschneidet, präsentiert Floretia plus Ihnen zusätzliche, standortgerechte Pflanzen, die diese Tiergruppe spezifisch fördern.

Als Privatperson sind Sie selten in einer Situation, in der Floretia plus für Sie hilfreich wäre. Das Instrument haben wir speziell für Gartenbaufirmen, Gemeinden und Kantone programmiert, die öfter Bepflanzungen planen und anlegen.

Ganz einfach: Melden Sie sich per Mail bei Daniel Ballmer, daniel@floretia.ch. Wir bearbeiten Ihre Bestellung umgehend.

Eine einmonatige Testlizenz ist gratis erhältlich.

Eine Jahreslizenz kostet 150 Franken.

Ein-Personen-Betriebe und kleine Gemeinden bis 10’000 Einwohner:innen erhalten sie zum ermässigten Preis von 80 Franken.

Da Pflanzenlisten oft Rechtschreibfehler, unvollständige Pflanzennamen und frei erfundene Verkaufsnamen enthalten, muss Floretia plus mit einer Fülle von verschiedenen Problemen zurechtkommen. Bei über 20’000 erfassten Pflanzennamen kann es passieren, dass ein Pflanzenname, den wir noch nicht in unserer Datenbank führen, einem anderen Namen zu sehr ähnelt und als Schreibfehler identifiziert wird.

Wenn Sie auf dieses Problem stossen, melden Sie uns bitte den falsch zugeordneten Namen, per Mail an Daniel Ballmer, daniel@floretia.ch.

Unsere Daten zu einheimischen oder invasiven Pflanzen stammen hauptsächlich von der nationalen Fachstelle Info Flora. Mit Info Flora ist auch abgesprochen, welche Arten wir für welche Region empfehlen. Zusätzliche gärtnerische Parameter und Daten zu nichtheimischen Gartenpflanzen haben wir von der Gärtnerlehrling-App iGarten erhalten oder selbst recherchiert.

Unsere Daten zum ökologischen Wert jeder Pflanzenart haben wir eigens von Artexpert:innen recherchieren und zusammentragen lassen. Die verantwortlichen Expert:innen sind Petra Horch (Vögel), Claudio Sedivy (Wildbienen), Thomas Kissling (Tag- und Nachtfalter), Lea Kamber (Käfer) und Daniel Ballmer (Wanzen; mangels Expert:innen haben wir hier einen Fortgeschrittenen beauftragt). Der Wert für Fledermäuse besteht aus dem Wert für Nachtfalter und Pluspunkten für gewisse Eigenschaften einer Pflanze (hochstämmige Bäume sind zum Beispiel generell wertvoll für Fledermäuse).

Die Daten zu den Verkaufsstellen einheimischer Ökotypen haben wir in mühevoller Kleinarbeit selbst zusammengetragen. Ebenso die Empfehlungen für Ersatzpflanzen.

Was die Pflanzendaten angeht, sehr. Wenn wir eine Pflanze als einheimisch und/oder standortgerecht einstufen, ist sie ganz sicher einheimisch und/oder standortgerecht. Es kann vorkommen, dass wir die Standortansprüche etwas eng eingestuft haben und dass eine Pflanze als «nicht standortgerecht» eingestuft wird, obwohl sie an einem Ort noch ganz gut leben kann. Solche Fälle können Sie uns gerne melden.

Die Daten zum ökologischen Wert sind Positivdaten. Das heisst: Wenn steht, dass eine Pflanze einen gewissen ökologischen Wert für Käfer hat, dann ist das so. Wenn nichts steht, dann bedeutet dies aber nicht, dass sie garantiert keinen Wert für Käfer hat. Dies liegt einerseits an der Forschung: Der ökologische Wert von alpinen, seltenen und ausländischen Pflanzen ist generell noch ein sehr schlecht untersuchtes Thema, für fast alle Tiergruppen. Dazu kommt, dass unsere Daten für Nachtfalter und Käfer bisher nur bestimmte Gruppen dieser riesigen Insektenfamilien enthalten – nämlich grosse Nachtfalter und Totholz bewohnende Käfer. Kleinschmetterlinge, Blattkäfer, Rüsselkäfer und Co. haben wir bisher noch nicht mit im System. Genau wie Wespen, Pflanzenläuse, Zikaden oder Fliegen.

Wir sind allerdings überzeugt, dass der Einbezug weiterer Insektengruppen nicht viel am Gesamtbild des ökologischen Werts ändern würde. Einige Pflanzen aus dem Mittelfeld stünden leicht besser da, zum Beispiel Wolfsmilch-Arten, die für Wespen sehr wichtig sind. Aber generell sind Pflanzen, die für Wildbienen, Schmetterlinge, Wanzen und Totholzkäfer sehr wertvoll sind, auch für andere Insektengruppen sehr wertvoll. Und jene Pflanzen, die kaum von ihnen besucht werden, finden auch in der restlichen Insektenfauna eher wenige Liebhaber.

Das machen wir sehr gerne transparent. Hier sind unsere Kriterienraster für die einzelnen Tiergruppen:

Wildbienen:
Vertreten auf Claudio Sedivys Liste der Nektarpflanzen: +1 Punkt
Eine oligolektische (spezialisierte) Wildbienenart: +1 Punkt
Mehrere oligolektische Wildbienenarten: +2 Punkte
Beliebt bei vielen, auch unspezialisierten Arten: +1-2 Punkte
Blüht länger als 2 Monate im Jahr: +1 Punkt
Bietet Wildbienen Nistplätze (zum Beispiel Markstängel): +1 Punkt

Tag- und Nachtfalter:
Raupenpflanze für eine spezialisierte Art, die im Siedlungsraum vorkommt: +1 Punkt
Raupenpflanze für mehrere spezialisierte Arten: +2-3 Punkte
Wichtige Nektarpflanze für viele Arten: +1-2 Punkte

Vögel:
Beeren/Samen als Vogelnahrung: +1-2 Punkte
Fördert Insekten, die als Vogelnahrung dienen: +1 Punkt
Hochstämmiger Baum: +1 Punkt
Dornenstrauch über 2 Meter Höhe (katzensicherer Nistplatz): +1 Punkt
Baum mit rauher Rinde (Jagdgebiet für insektenfressende Vögel wie Kleiber und Baumläufer): +1 Punkt

Käfer:
Vertreten auf Lea Kambers Liste der von Käfern besuchten Pflanzen: +1 Punkt
Nahrung für eine spezialisierte Käferart: +1 Punkt
Nahrung für mehrere spezialisierte Käferarten: +2 Punkte
Beliebt bei vielen, auch unspezialisierten Arten: +1 Punkt
Hochstämmiger Baum (guter Totholzlieferant): +1 Punkt
Baum mit rauher Rinde (wichtig als Winterquartier): +1 Punkt
Gelbe oder weisse Blüten: +1 Punkt

Fledermäuse:
Punktezahl für Nachtfalter: +0-5 Punkte
Hochstämmiger Baum (potenzieller Schlafplatz): +1 Punkt

Wanzen:
Die Daten zu Wanzen werden im Hintergrund mitgerechnet, aber wegen Mangel an Sympathie nicht angezeigt. Hier haben wir wegen der grossen Artenzahl ein fluideres Punktesystem eingesetzt, das sich nach der tatsächlichen Anzahl Arten richtet. Eine einzige Pflanzenart kann bis zu 17 spezialisierte Wanzenarten und weit über 50 unspezialisierte beherbergen.
Anzahl stark spezialisierte Arten (an einzelne Arten/Gattungen gebunden): +0-5 Punkte
Anzahl schwach spezialisierte Arten (an Pflanzenfamilien gebunden): +0-3 Punkte
Anzahl unspezialisierte Arten: +0-2 Punkte

In den meisten Fällen geht es um den Schutz der genetischen Vielfalt dieser Arten. Wenn eine Art in Ihrer Region zwar einheimisch ist, aber sehr selten, dann sollte sie nicht in irgendwelchen Gärten ausgepflanzt, sondern professionell vermehrt und angesiedelt werden. Wildpflanzen aus Gärtnereien sind selten genetisch divers; alle verkauften Exemplare stammen üblicherweise aus demselben Bestand und sind meist Geschwister oder Cousinen. Wenn nun Hunderte dieser Pflanzen in der Nähe eines kleinen Wildbestands gepflanzt werden und sich in ihn einkreuzen, können sie die speziellen genetischen Anpassungen dieses Bestands innert Kürze verdrängen.

Bei einigen häufigeren Pflanzen wie dem Sonnenröschen oder dem Gemeinen Wundklee wissen wir, dass sie in der Schweiz eine starke genetische Struktur haben. Sie sind mosaikartig in mehreren Kleinarten oder Unterarten verbreitet. Hier kann das Ausbringen der falschen Unterart zu Verdrängungseffekten führen, was beim Gemeinen Wundklee im Mittelland vielerorts tatsächlich schon passiert. Auch hier lassen wir Vorsicht walten.

In einigen Fällen geht es auch um die Eignung der Pflanze für Gärten. Eine Handvoll einheimischer Arten wie Schierling und Adlerfarn verbreiten sich aggressiv und verdrängen grossflächig alle anderen Pflanzen. Für die Dimensionen eines normalen Einfamilienhausgartens sind sie kaum geeignet.

Seit der letzten Überarbeitung der Listen der invasiven Pflanzen sind schon bald wieder zehn Jahre vergangen. In diesem Jahrzehnt wurden Hunderte von Pflanzenarten und -sorten neu ins Sortiment der Schweizer Gärtnereien aufgenommen, die Sommertrockenheit hat sich massiv ausgebreitet, und die Tiefsttemperaturen vieler Regionen sind um 2-3° milder geworden. Die Gesetzgebung kann weder mit dem Tempo des Handels noch mit dem Tempo der Klimakatastrophe mithalten. Zudem blendet sie einige Probleme wie die Laurophyllisierung und invasive Pilzkrankheiten bisher komplett aus, und die Gartenbranche erhält bei der Erstellung der Listen ein zu grosses Mitspracherecht. Wir mögen vielleicht hie und dort etwas zu vorsichtig sein. Aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Viele Bienen heisst noch lange nicht viele Arten. Etwa die Hälfte der heimischen Wildbienen und eine Mehrheit der seltenen und gefährdeten Arten ist mehr oder weniger stark spezialisiert (oligolektisch). Wo ihre Nektarpflanzen fehlen, fehlen auch sie. Und von den meisten ihrer Nektarpflanzen profitieren auch unspezialisierte Wildbienen mit. Wir messen diesen Pflanzen deshalb einen höheren Wert zu als anderen.

Die tiefen Blütenkelche des Lavendels sind nur für eine Handvoll grosser, unspezialisierter Bienenarten wie Hummeln, Honig- und Pelzbienen zugänglich. Sie finden auch an Hunderten anderen Pflanzenarten Nahrung. Ganz im Gegensatz zu spezialisierten Wildbienen wie der Lauch-Maskenbiene oder der Schöterich-Mauerbiene, die nur an einer Handvoll Pflanzenarten Pollen sammeln.

Linden wiederum ziehen mit ihren offenen Blüten zwar mehr Arten an, aber nur für einen sehr kurzen Zeitraum. Ihre Blütezeit ist kürzer als die Lebensdauer einer Wildbiene, weshalb sich auch keine heimische Wildbienenart auf Linden spezialisiert hat. Letztlich sind es auch hier vor allem Hummeln und Honigbienen, die profitieren.